Aktuell
aus unserem Sondergemeindebrief zum 100 jährigen Jubiläum der Christuskirche
Kunstinstallation in der Christuskirche
Wie uns heute die Kirchenräume zeigen und uns die Kunstgeschichte lehrt, gehörten Kunst und Kirche Jahrhunderte lang zusammen. Zwischen Religion, Kirche und Kunst herrschte ein enges und spannungsreiches Verhältnis. Die Theologie lieferte die Thematik für die Kunst, die Ikonografie und die Typologie. Die Liturgie und die Gottesdienstgestaltung bestimmten die Kirchenarchitektur des Kirchenraumes.
Das äußere und innere Erscheinungsbild der Christuskirche erleben wir heute -100 Jahre nach ihrer Eröffnung 1912- in ihrer ursprünglichen architektonischen und künstlerischen Form. Die Gestaltung des Kirchenraumes zeugt auch hier von einem intensiven Zusammenwirken zwischen Religion und Kunst. Die wesentliche Bestimmung der protestantischen Christuskirche als Predigerkirche kommt in dem zentral angelegten Kircheninnenraum architektonisch besonders deutlich zum Ausdruck: mit seinen monumantalen Bogenöffnungen für die Emporen auf allen Seiten führt der Innenraum den Gottesdienstbesucher auf Altar und Kanzel zu. Ein großformatiges Altarbild über der Kanzel bildet einen Blickfang.
An diese Raumwirkung hat man sich als Gottesdienstbesucher in den letzten Jahrzehnten gewöhnt.
Wer am ersten Adventsonntag die Christuskirche betritt, wird ein ganz neues Erscheinungsbild des Kircheninneren erleben. Die Christuskirche öffnet sich zu ihrem 100. Jubiläum mit einer Textilinstallation im gottesdienstlichen Bereich der zeitgenössischen Kunst und blickt mit viel Spannung und Neugier einem neuen Dialog zwischen Gegenwartskunst und Theologie entgegen.
Das großformatige Lichtobjekt (6 Meter breit, 6 Meter lang und 4 Meter hoch) der deutsch-polnischen Künstlerin Gabriela Nasfeter ist aktuell und ortsbezogen für die Christuskirche konzipiert worden.
Gabriela Nasfeter wurde 1950 in Danzig geboren. Nach einem zweijährigen Architekturstudium wechselte sie 1969 an die Kunsthochschule Danzig und studierte dort von 1969-1975 Malerei und Textil. Nach einer zweijährigen künstlerischen Tätigkeit in Warschau siedelte sie 1980 nach Deutschland über. Seit 1983 lebt und arbeitet sie als freischaffende Künstlerin in Ulm.
Zwischen 1990-1997 hatte sie einen Lehrauftrag an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim und weitere Gastprofessuren in Hamburg und in Offenbach am Main inne. Gabriela Nasfeter hat für ihre Kunst zahlreiche Preise im In- und Ausland erhalten. Mit ihrer erstaunlichen Vielseitigkeit hat sie sich in unterschiedlichen Bereichen bewiesen: in textilen Installationen und Modeschöpfungen, mit Großplastiken und Skulpturen im öffentlichen Raum und in der Malerei.
Wer sich auf das architektonische und künstlerische Experiment einläßt, dem wird sich der Kirchenraum neben seiner theologischen Bestimmung auch als ein Ort der neuen Wahrnehmung und des Erlebens erschließen. Die temporäre Kunstinstallation in der Christuskirche wird unsere Sehgewohnheiten und die uns vertraute Gottesdienstatmosphäre verändern. Sie lädt uns ein, bei ihrer 100jährigen Jubiläumsfeier Altes neu und Vertrautes in seiner Fremdheit wiederzuerkennen. Die Begegnung mit dem Fremden und Anderen kann ein großer Gewinn sein, zumal die Frage nach Religion, Glaube, Selbst- und Weltverstehen auf neuartige Weise in den Blick kommt.
Krisztina Jütten M.A.
Kunsthistorikerin




